veröffentlicht am 11.05.2022

Greenpeace blockiert 225 Meter langes Soja-Schiff im Hafen von Amsterdam - Bild & Video

Auch österreichische Aktivistin protestiert gegen Naturzerstörung - Umweltschutzorganisation fordert von österreichischer Regierung Einsatz für starkes EU-Gesetz für globalen Waldschutz

Über 60 Greenpeace-AktivistInnen - darunter auch eine Österreicherin - blockieren im Hafen von Amsterdam seit Mitternacht ein riesiges Transportschiff. Die 225 Meter lange “Crimson Ace” ist mit 60.000 Tonnen Soja aus Brasilien beladen. Die Niederlande sind für die Einfuhr von Rohstoffen wie Soja, Palmöl und Fleisch das Tor nach Europa. Doch für die Produktion dieser Risikorohstoffe werden regelmäßig wertvolle Ökosysteme wie Regenwälder, Savannen und Moore zerstört und Menschenrechte verletzt. Greenpeace setzt sich daher für ein starkes EU-Gesetz für globalen Waldschutz ein, das Produkte aus Wald- und Naturzerstörung auf dem EU-Markt unterbinden soll. Die österreichische Regierung müsse sich auf EU-Ebene für ein umfassendes, kompromissloses Gesetz einsetzen, so die Umweltschutzorganisation.

„Ich bin heute hier, weil ich im Supermarkt mit Sicherheit wissen will, dass ich dort keine Produkte aus Wald- und Naturzerstörung kaufe,” erklärt Clarissa W aus Mödling, die an dem Protest teilnimmt. „Auf den Verpackungen preisen Unternehmen immer wieder an, dass sie nachhaltig und umweltfreundlich produzieren. Aber in Wirklichkeit landen weiterhin extrem viele Produkte aus Naturzerstörung in den Supermarktregalen. Das muss endlich aufhören! Und dafür protestiere ich heute friedlich.” Im Zuge des von Greenpeace Niederlande organisierten Protests blockieren die AktivistInnen die Schleusentore, die das Schiff auf dem Weg in den Hafen passieren muss. Dabei befestigten sie ein rund 40 Meter langes Transparent mit der Aufschrift 'EU: Stop nature destruction now' ("EU: Stoppt jetzt die Naturzerstörung"). Neben weiteren AktivistInnen in Booten nehmen auch Vertreter von indigenen Gemeinschaften an Bord des Greenpeace-Schiffes Beluga II an dem Protest teil. „Das Megaschiff Crimson Ace ist Teil eines kaputten Lebensmittelsystems, das Naturzerstörung in Kauf nimmt und befeuert. Mehr als 85 Prozent des importierten Sojas wird für Tierfutter verwendet. Österreich und alle anderen EU-Staaten tragen zur globalen Natur- und Artenkrise bei, indem sie Produkte aus Naturzerstörung auf den EU-Markt bringen," erklärt Lukas Meus, Waldexperte bei Greenpeace in Österreich.

Die EU ist mit durchschnittlich 33 Millionen Tonnen an Sojaprodukten weltweit der zweitgrößte Importeur von Soja. Fast 600.000 Tonnen Soja landen jedes Jahr direkt aus den Niederlanden oder über Umwege wie beispielsweise Deutschland in Österreich. Über 60 Prozent der EU-Importe stammen aus Südamerika, wo wertvolle Ökosysteme, wie der Trockenwald Cerrado, für die Sojaproduktion zerstört werden. Der Cerrado ist die artenreichste Savanne der Welt und Lebensraum von rund fünf Prozent der weltweit vorkommenden Pflanzen- und Tierarten wie Riesengürteltieren, Ameisenbären und Jaguaren. Bis heute wurden im Cerrado bereits über 90 Millionen Hektar vernichtet – damit wurde der Trockenwald auf die Hälfte seiner ursprünglichen Größe dezimiert.

Greenpeace setzt sich für ein starkes EU-Gesetz für globalen Waldschutz ein, mit dem Europa sicherstellen kann, dass keine Rohstoffe aus Naturzerstörung auf den EU-Markt gelangen. Aktuell verhandeln EU-MinisterInnen einen Gesetzesvorschlag der EU-Kommission. Doch der aktuelle Entwurf sieht vor, dass das Gesetz lediglich für Wälder gelten soll, jedoch andere Ökosysteme - wie den Cerrado - ausspart. Greenpeace fordert ein starkes Gesetz, das wertvolle Ökosysteme kompromisslos vor Zerstörung für Profite schützt. Die Umweltschutzorganisation fordert EU-MinisterInnen zu mehr Tatkraft auf. „Die österreichische Bundesregierung muss sich für Klima- und Naturschutz und somit für ein starkes EU-Gesetz für globalen Waldschutz einsetzen. Nur mit einem umfassenden Gesetz können Österreich und Europa dazu beitragen, die Natur unseres Planeten zu erhalten, das globale Artensterben zu stoppen und die Klimakrise einzudämmen,” so Meus.

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