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veröffentlicht am 24.10.2020

Greenpeace deckt auf: 700 Tonnen Plastikmüll aus Österreich landeten in Malaysia

Wien - Der Umweltschutzorganisation Greenpeace liegen Unterlagen vor, die darauf hindeuten, dass im Jahr 2020 rund 700 Tonnen gemischter, nicht-recycelbarer Plastikmüll von Elektroaltgeräten aus Österreich nach Malaysia gelangten. Das Verschiffen von gemischtem, nicht-recycelbarem und mit Chemikalien wie Flammschutzhemmern belastetem Plastikmüll in Länder mit schwachen Abfallverwertungssystemen wie Malaysia ist verboten. In der ZIB2 und auf orf.at wurde ausführlich über den Fall berichtet, der auch strafrechtlich relevant sein könnte. Das Umweltministerium ermittelt bereits auf den Hinweis von Greenpeace. Erst vergangenes Jahr deckte Greenpeace die Umweltbelastung durch Chemikalien rund um eine Zwei-Hektar-Deponie mit europäischem Müll in Malaysia auf. Die Umweltschutzorganisation fordert gesetzliche Maßnahmen zur Müllreduktion und strengere Kontrollen für den Handel mit Plastikmüll.

„Der globale Handel mit Plastikmüll ist ein dreckiges Geschäft. Dahinter steckt ein krankes System: Gegenstände wie Plastikverpackungen, Polyesterkleidung oder Elektrogeräte werden hier in Europa für kurze Zeit genutzt. Und dann wird der daraus entstehende Plastikmüll zehntausende Kilometer um den Globus verschifft und in Ländern des Globalen Südens unter widrigen Umständen recycelt oder auf Mülldeponien gekippt, wo er die Natur, Tiere und die Gesundheit der Menschen schädigt. Das muss endlich gestoppt werden”, fordert Lisa Panhuber, Konsumexpertin von Greenpeace. Und weiter: “Kurzfristig müssen die Behörden strengere und häufigere Kontrollen durchführen, um sicherzustellen, dass kein europäischer Müll auf Deponien in Ländern des Globalen Südens landet. Aber worauf es wirklich ankommt, ist, dass erst gar kein Plastikmüll anfällt. Die Politik muss per Gesetz dafür sorgen, dass Verpackungen, Elektrogeräte und Textilien langlebig, reparierbar und wiederverwendbar sind.”

Bei dem aktuellen Fall aus Österreich hatte ein asiatischer Händler eingewilligt, 28 Container mit vermeintlich recyclebarem Müll aus Österreich in Malaysia auf eigene Kosten zu verarbeiten. Foto- und Videomaterial sowie die Aussagen des Recycling Unternehmens in Malaysia deuten jedoch daraufhin, dass er stattdessen gemischten nicht-recycelbaren Elektro-Plastikschrott erhielt. Da der Müll in Malaysia nicht recycelt werden konnte, landete er schließlich auf einer Deponie. Nur vier Container der Lieferung blieben im Zoll stecken, wo sie derzeit verweilen. Das Umweltministerium plant, diese für eine genaue Analyse zurück nach Österreich zu bringen.

Neben den 28 Containern im Jahr 2020, wurden schon 2019 mindestens elf Container mit Müll aus Österreich nach Malaysia verschifft. Das zeigen Unterlagen, die Greenpeace vorliegen. Offiziell wurden dem Umweltministerium in den letzten Jahren aber keine Transporte von Plastikmüll nach Malaysia gemeldet. Die fachgerechte Entsorgung bzw. Verbrennung von Müll in Österreich ist aufgrund von Umweltauflagen und höheren Lohnkosten teuer. Heimische Entsorgungsunternehmen verrechnen laut des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe zwischen 100 und 170 Euro pro verbrannter Tonne Müll. Bei dem aktuellen Fall übernahm offenbar der asiatische Händler die Kosten für Transport und Zoll, da er dachte, das Material recyceln und weiterverkaufen zu können.

Unlängst warnte Interpol, dass immer mehr Plastikmüll weltweit illegal gehandelt und in Ländern des Globalen Südens nicht fachgerecht entsorgt wird. Seit China 2018 die Einfuhr von Kunststoffmüll gestoppt hat, verlagert sich der globale Plastikmüll-Strom in südostasiatische Länder wie Malaysia. Allein in Malaysia landeten seit 2018 hunderttausende Tonnen Plastik aus Europa, Australien und den USA. Das Plastik wird dort unter gefährlichen und gesundheitsschädlichen Bedingungen verarbeitet und die nicht verwertbaren Reste auf Freiflächen unkontrolliert verbrannt oder deponiert. So entdeckte Greenpeace im Vorjahr unter anderem eine zwei Hektar große illegale Mülldeponie direkt an einem Flussufer, auf der auch Müll aus Europa lagerte. Täglich wurden dort bis zu 30 LKW-Ladungen Plastikmüll – darunter auch Elektroaltgeräte – abgeladen und somit das Gewässer mit gefährlichen Chemikalien verschmutzt. Solche Kontaminationen bergen große Gefahren für Tiere und Pflanzen und die Gesundheit des Menschen.

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