veröffentlicht am 14.12.2021

Greenpeace: EU-Aktionsplan für europaweiten Bahnverkehr bringt Tempo beim Klimaschutz

Investitionen für Straßen- und Luftverkehr müssen für Schienenausbau genutzt werden - Umweltschutzorganisation fordert von der Stadt Wien Stadtstraße abzusagen.

Greenpeace begrüßt den heute von der EU-Kommission vorgestellten Aktionsplan für mehr grenzüberschreitenden Bahnverkehr in Europa. Nicht nur sollen mindestens 15 neue grenzüberschreitende Bahnverbindungen ausgebaut werden. Auch ein einheitliches Ticketsystem sowie bessere Taktungen sollen die Bahn in Europa attraktiver machen und den Klimaschutz ankurbeln. Auch soll – in Analogie zu internationalen Flügen – die Umsatzsteuer auf internationale Bahntickets fallen. Greenpeace fordert eine massive Verschiebung der Investitionen vom Straßen- und Luftverkehr auf die Schiene. In Österreich muss etwa die Stadt Wien der Stadtstraße eine Absage erteilen und die freigewordenen Mittel in die Bahn investieren.

„Mit dem aktuellen Aktionsplan für die Bahn bringt die EU Tempo in Sachen Klimaschutz und erleichtert das umweltfreundliche Reisen”, sagt Greenpeace-Verkehrsexperte Herwig Schuster. Eine Verkehrswende ist mehr als dringend notwendig. „Derzeit werden nur sieben Prozent der gesamten Wege in Europa mit der Bahn zurückgelegt, mit dem Flugzeug – dem klimaschädlichsten Verkehrsmittel – sind es zehn Prozent, mit dem Auto 72 Prozent. Indem etwa die Bahnverbindungen ausgebaut, die Umsatzsteuer für internationale Bahntickets abgeschafft und das Ticketsystem vereinfacht werden, soll sich das ändern. “Wer heute etwa von Wien nach Madrid mit dem Zug fahren will, muss sich die Tickets online bei mindestens drei verschiedenen Bahnunternehmen kaufen. In Zukunft sollte das zentral an einer Stelle geregelt werden, so wie das bereits heute bei Flugbuchungen üblich ist”, sagt Schuster. Auch mehr Direktverbindungen und bessere Umsteigemöglichkeiten werden den BahnfahrerInnen zugute kommen. Vor allem bei Nachtzügen braucht es europaweit noch massive Investitionen. In und nach Griechenland oder Portugal etwa gibt es derzeit gar keine Nachtzugverbindungen. Die ÖBB zeigt bereits vor, wie es geht und hat erst gestern die neue Nachtzug-Verbindung zwischen Wien und Paris präsentiert.

Um die Verkehrswende zu schaffen, reicht es aber nicht aus nur in die Bahn zu investieren. „Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen beispielsweise Kurzstreckenflüge verbieten, wenn es eine Bahnalternative in unter sechs Stunden gibt,” so Schuster. Eine kürzlich von Greenpeace veröffentlichte Studie kommt zum Ergebnis, dass bereits jetzt rund ein Drittel der Kurzstreckenflüge in Europa durch Züge unter sechs Stunden ersetzt werden können. In Österreich könnten – inklusive guter Nachtzugverbindungen – sogar rund 80 Prozent der Kurzstreckenflüge ersetzt werden. Bei entsprechenden Investitionen in die Bahn kann der Anteil noch deutlich steigen. Zudem fordert die Umweltschutzorganisation, Mega-Straßenprojekten, wie etwa der Wiener Stadtstraße, eine Absage zu erteilen und die Gelder für den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen.

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