veröffentlicht am 21.04.2021

Umweltschutzorganisation kritisiert viel zu lasches Klimaziel sowie Anrechnung von Kohlenstoffsenken - Erreichung des 1,5 Grad-Ziels rückt in weite Ferne

Greenpeace: EU-Einigung auf Klimaziel stoppt Klimakrise nicht

Die heutige Einigung von EU-Staaten und EU-Parlament zum Klimaziel für die EU stößt bei Greenpeace auf herbe Kritik. Die Einigung umfasst lediglich ein Reduktionsziel von netto 55% anstatt der dringend notwendigen 65% gegenüber 1990. Erschwerend kommt auch eine Anrechnung von Kohlenstoffsenken wie Wäldern zur Reduktionsbilanz hinzu, die das Klimaziel weiter auf 52,8% abschwächt. Eine Begrenzung der globalen Erhitzung auf 1,5 Grad und damit die Abwendung der Klimakatastrophe ist damit nicht möglich. Damit hat die EU am Tag vor dem von US Präsident Biden einberufenen Klimagipfel nicht ansatzweise die für die Einhaltung des Pariser Klimaziels nötige Ambition bewiesen. Besonders schwerwiegend ist, dass die Europäische Union damit ein schwaches Signal in die Welt sendet und die Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens in weite Ferne rückt.

“Das neue EU-Klimaziel wird nicht ausreichen, um die Klimakrise aufzuhalten. Um das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen und damit die Stabilisierung des Klimas sicherzustellen, sind laut Wissenschaft minus 65% bis 2030 nötig“, stellt Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin bei Greenpeace in Österreich klar. “Mit dem Klima verhandelt man nicht. Wenn wir es nicht schaffen, die Treibhausgasemissionen radikal zu senken, riskieren wir eine dramatische Klimaveränderung, die den Verlauf der Menschheitsgeschichte in den nächsten tausenden von Jahren katastrophal verändern wird.”

Die Einbeziehung von Senken wie Wäldern, Pflanzen und Böden müssten laut der Umweltschutzorganisation außerdem zusätzlich angerechnet werden und dürften nicht als Teil des tatsächlichen Reduktionsziels gelten, um dieses aufzuweichen. “Die Einbeziehung von sogenannten Negativ-Emissionen in das Klimaziel mit Wäldern, Pflanzen und Böden ist eine Mogelpackung und schwächt das Klimaziel weiter ab. Für ein echtes paris-konformes Ziel braucht es höhere Emissionsreduktionen, und Hintertüren durch Senken wie Wälder müssen ausgeschlossen werden”, so Duregger. “Das EU-Parlament hat mit der heutigen Einigung eine schwerwiegende Entscheidung getroffen, die viel schärfer hätte ausfallen müssen. Das Einknicken des Parlaments ist ein Armutszeugnis für die Klimabewegung und zeigt, wie wenig ambitioniert die EU im Klimaschutz vorzugehen bereit ist.”

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