veröffentlicht am 10.11.2021

Greenpeace: Österreichischer Plastikmüll auf wilder Deponie in Polen entdeckt

Umweltschutzorganisation fordert Exportverbot für Plastikmüll außerhalb der EU und strengere Vorgaben für den Müllhandel innerhalb der EU.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat auf einer wilden polnischen Deponie nach Hinweisen von AktivistInnen gemischten Plastikverpackungsmüll aus Österreich entdeckt. Laut Verpackungsdaten verschmutzt der Müll bereits seit Jahren die Umwelt vor Ort und zerfällt langsam zu Mikroplastik. In der Sendung ORF Report vom 9.11. wurde ausführlich über den Fall berichtet. Laut Umweltministerium wurden in den letzten Jahren 7.000-8.000 Tonnen Kunststoffmüll jährlich nach Polen exportiert. Die Europäische Kommission plant noch im November einen Vorschlag für eine neue EU-Verordnung zum Müllhandel. Greenpeace fordert, dass darin strengere Regeln sowie Kontrollen und angemessene Strafen für den Handel mit Plastikmüll verankert werden.

„Aus dem Handel mit Plastikmüll ist mittlerweile ein dreckiges Geschäft geworden. Heimische Unternehmen exportieren den Abfall zu Dumpingpreisen anstatt ihn hier bei uns umweltgerecht zu entsorgen. Österreich darf nicht länger andere Länder als Müllhalde benutzen und die Natur vor Ort verschmutzen. Als Sofortmaßnahme muss die EU ein Exportverbot von Plastikmüll außerhalb der EU und strenge Transparenz- sowie Recyclingvorgaben innerhalb der EU erlassen. Zudem fordern wir, dass Produkte langlebig und wiederverwendbar sein müssen, sodass sie nicht sofort im Mülleimer landen”, fordert Sophie Lampl, Programmdirektorin bei Greenpeace in Österreich.

Ein Transportdokument, das Greenpeace vorliegt, weist darauf hin, dass auch ein oberösterreichisches Abfallunternehmen im Jahr 2018 Plastikmüll vorgeblich zum Recycling an die Adresse der untersuchten polnischen Deponie geschickt hat. Ein Lokalaugenschein von Greenpeace-MitarbeiterInnen zeigte jedoch, dass aktuell rund um das Gelände riesige Müllberge lagern. Der Großteil des Verpackungsmülls stammt aus Polen, Österreich und Italien. Polnische Lokalmedien berichten, dass auf der Deponie 3.000 Tonnen Müll liegen, obwohl das zuständige Unternehmen nur Kapazität und Erlaubnis für 400 Tonnen hat. Der ORF Report hat berichtet, dass das österreichische Unternehmen 1.000 Tonnen Müll nach Polen exportiert hat. Nachdem AnrainerInnen 2019 Flammen und schwarzen Rauch beobachtet hatten, wurde der polnische Betrieb von den lokalen Behörden inspiziert. Daraufhin wurde ein Verfahren eröffnet, um den Betrieb von einigen Anlagen einzustellen, ebenso wurden Strafen verhängt. Für Abfallunternehmen ist es oft deutlich billiger, Müll zur Entsorgung in Länder wie Polen zu bringen, als ihn in Österreich ordnungsgemäß verbrennen oder recyceln zu lassen. „Unternehmen in Österreich müssen ihrer Verantwortung gerecht werden. Wir Bürgerinnen und Bürger trennen Müll, zahlen Müllgebühren und vertrauen darauf, dass der Abfall umweltgerecht entsorgt wird. Wir fordern von den Unternehmen, dass sie sauber arbeiten”, sagt Lampl.

Müll der auf ungesicherten Deponien landet oder illegal in der Natur verbrannt wird, gefährdet die Gesundheit der Menschen in den Empfängerländern. Das haben bereits Recherchen von Greenpeace in Malaysia oder der Türkei gezeigt. Aus Österreich werden jährlich laut Umweltministerium bis zu 200.000 Tonnen Plastikmüll exportiert - überwiegend in die EU-Nachbarländer, in manchen Fällen aber auch nach Übersee. Erst kürzlich haben Schwerpunktkontrollen des Umweltministeriums illegale Plastikmüllexporte aus Österreich in die Türkei, nach Serbien und Deutschland aufgedeckt.

Die Menge an Plastikmüll hat sich weltweit innerhalb von 20 Jahren vervierfacht und liegt aktuell bei über 350 Millionen Tonnen jährlich - 40 Prozent davon sind Verpackungen. Oft passiert der Handel unter dem Deckmantel, dass der Müll in den Ländern recycelt wird. Die Realität ist jedoch, dass ein sehr großer Teil verbrannt wird oder auf illegalen Deponien landet. Oft deshalb weil viele Kunststoffprodukte nicht oder nur mit teuren Verfahren recycelt werden können. Im November 2021 wird die Europäische Kommission einen neuen Vorschlag für die EU Verordnung zum Müllhandel vorlegen. Greenpeace fordert, dass darin strengere Regeln durchgesetzt werden: Es darf kein Plastikmüll mehr aus der EU exportiert werden, innerhalb der EU müssen strenge Grenzwerte und Kontrollen für Mülltransporte festgelegt werden und illegaler Müllhandel muss von der Justiz verfolgt und mit hohen Strafen geahndet werden.

Bildmaterial: https://act.gp/Müllexporte-Polen
(Das Fotomaterial steht unter Angabe der Credits für die redaktionelle Nutzung kostenlos zur Verfügung: © Greenpeace)

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