veröffentlicht am 21.04.2022

Unbekannter Wal-Ruf bei Greenpeace-Expedition erstmals aufgezeichnet

Aktuelle Studie dokumentiert neben noch nie gehörtem Buckelwal-Geräusch weitere 600 Walrufe vor der Küste Südafrikas - Greenpeace fordert starkes Hochseeschutzabkommen

WissenschaftlerInnen haben im Rahmen einer Greenpeace-Expedition einen bisher unbekannten "impulsiven Laut" von Buckelwalen aufgezeichnet und in einer aktuellen Studie veröffentlicht. Die Studie dokumentiert 600 Walrufe über 11 Tage am Vema Seamount, einer bergigen Unterwasserregion im Atlantischen Ozean, 1.000 Kilometer vor der Küste Südafrikas. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert ein starkes globales Hochseeschutzabkommen, damit sensible Lebensräume auf Hoher See und ihre Bewohner vor Fischerei und Industrie geschützt werden.

„Wir verstehen noch nicht ganz, was dieser neu entdeckte Ruf in der Kommunikation der Buckelwale bedeutet - aber es ist faszinierend, dass dieses bisher unbekannte Geräusch nun erstmals dokumentiert wurde. Unsere Studie bestätigt, dass Wale die bergige Vema-Region auf ihrer langen Reise durchqueren und hier nicht nur auf Nahrungssuche sind, sondern auch ihre Kälber großziehen. Seeberge sind reiche Lebensräume für viele wandernde Arten und müssen endlich umfassend geschützt werden”, erklärt Dr. Kirsten Thompson von der Universität Exeter und den Greenpeace International Research Laboratories, eine der WissenschaftlerInnen, die das Projekt leitet. Die Expedition fand im November 2019 statt. Dabei setzten WissenschaftlerInnen der Universität Stellenbosch (Südafrika) und Exeter (Großbritannien/Vereinigtes Königreich) verankerte Hydrophone ein, um Buckelwale in dem Gebiet zu untersuchen.

Im Rahmen der Untersuchung wurden am häufigsten Kontaktrufe zwischen Müttern und Kälbern aufgezeichnet, die den Tieren helfen, einander zu finden und auch beim Füttern zum Einsatz kommen. So konnten die ForscherInnen bestätigen, dass Vema ein wichtiger Futterplatz für Wale ist. Das Gebiet um den Vema Seamount wurde nach seiner Entdeckung 1959 stark überfischt. Heute ist die Region teils für die Fischerei gesperrt - dennoch gilt es aufgrund seiner einzigartigen Artenvielfalt als gefährdetes marines Ökosystem. „Die Hohe See galt lange als karge Region. Bahnbrechende Forschungen wie diese zeigen, dass es darin vor Leben wimmelt! Doch noch gibt es kein rechtlich bindendes, internationales Abkommen zum Schutz der Hohen See. Darum ist es nicht möglich, das Gebiet rund um Vema zu schützen - genau wie viele andere artenreiche Regionen und Wanderrouten auf Hoher See. Nur drei Prozent der Weltmeere sind angemessen geschützt, und das reicht bei weitem nicht aus, um die Lebensräume zu bewahren, auf die die Wale angewiesen sind”, sagt Lukas Meus, Meeresexperte bei Greenpeace in Österreich.

Im August ist die fünfte Verhandlungsrunde für ein UN-Hochseeschutzabkommen geplant. Greenpeace fordert ein starkes Hochseeschutzabkommen, das die Grundlage für ein weitreichendes Netzwerk an Schutzgebieten bilden könnte. Die Umweltschutzorganisation sowie auch WissenschaftlerInnen fordern, dass bis 2030 mindestens 30 Prozent der Meere unter starkem Schutz stehen müssen.

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